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Unterrichtsausfall in Rheinland-Pfalz

Unterrichtsausfall in Rheinland-Pfalz: in Rheinland-Pfalz herrscht ein temporärer Unterrichtsausfall von 5 bis 7 Prozent und nicht wie von der Landesregierung schöngerechnet von 1 bis 3,65 Prozent. Rechnet man die Ausfallzeiten des temporären und strukturellen Unterrichtsausfalls exemplarisch an einer Klasse der jeweiligen Schulart aus, so ergeben sich Ausfallzeiten von durchschnittlich 18 Schultagen pro Jahr also dreieinhalb Wochen. Dieses Schuljahr würde also am 8. Juni 2010 enden.

Bis zum Abitur verliert jeder Schüler somit mehr als ein ganzes Schuljahr.

Begründung der Ergebnisse:
Was bedeutet Unterricht:

Von einer gehaltenen Unterrichtsstunde kann man sprechen, wenn folgende
Eckpunkte erfüllt sind:

1.die Anwesenheit von Schülern an der Unterrichtsstunde,
2.die Anwesenheit einer Lehrkraft, sowie
3.die pädagogisch-didaktische Strukturierung und Vorausplanung der
Unterrichtsstunde.

Vor dem Hintergrund dieser Definition sind aus Sicht der CDU-Landtagsfraktion
die Regulierungsmethoden „Selbstbestimmtes Lernen“ und „Umorganisation“ kein
Unterricht sondern kaschierter Unterrichtsausfall.

Im Falle des „selbstbestimmten Lernens“ fehlen die aktive Anwesenheit einer
Lehrkraft sowie die planvolle, didaktische Organisation der Unterrichtsstunde.
Zudem wird diese Regulierungsmethode auch von anderen Bundesländern wie z.B.
Nordrhein-Westfalen nicht als Unterrichtsvertretung gewertet.

Im Falle der Regulierungsmethode „Umorganisation“ werden zwei Klassen parallel
von einer Lehrkraft beaufsichtigt oder beide Lerngruppen werden zusammengelegt.
Bei durchschnittlichen Klassengrößen von 20 bis 30 Schülern können durch eine
Zusammenlegung zweier Klassen keine pädagogisch sinnvollen Gruppengrößen
erreicht werden, ganz zu schweigen von den fehlenden Raumkapazitäten, die solche
Gruppengrößen fassen könnten. Zudem sind bei einer Mitbeaufsichtigung einer
Klasse eine sinnvolle pädagogische Strukturierung der Stunde sowie die
kontinuierliche Anwesenheit des Lehrers nicht gewährleistet.

Berücksichtigt man diese Vorbedingungen, ergeben sich die folgenden Zahlen zum
Unterrichtsausfall in Rheinland-Pfalz, gegliedert nach Schularten:

  • Schulart
  • struktureller Unterrichtsausfall
  • temporärer Unterrichtsausfall nach Angaben der Landesregierung
  • Regulierungsmethode selbstbestimmtes Lernen
  • Regulierungsmethode Umorganisation
  • tatsächlicher temporärer Unterrichtsausfall

Schulart

struktureller Unterrichts-
ausfall

temporärer Unterrichts-
ausfall nach Angaben der Landes-
regierung

Regulierungs-
methode selbst-
bestimmtes
Lernen

Regulierungs-
methode Umorgani-
sation

tatsächlicher temporärer Unterrichts-
ausfall

 

insges. Defizit

GHS/
HS/GS

1,8 % /
- 0,7 %

1,20 %

0,18 %

4,91 %

6,29 %

HS 8,0 %
GS 6,3 %

FÖR

3,9 %

1,30 %

0,16 %

5,51 %

6, 97 %

10,6 %

RS

2,5 %

3,17 %

0,49 %

2,70%

6, 36 %

8,7 %

GY

2,8 %

3,47 %

0,87 %

0,85 %

5,19 %

7,8 %

BBS

6,2 %

3,65 %

0,86 %

1,33 %

5,84 %

11,7 %

IGS

3,2 %

2,39 %

0,92 %

2,49 %

5,80 %

8,8 %

RGS/ R+

1,7 %

1,29 %

0,25 %

5,22 %

6,76 %

8,4 %

 

Einzelergebnisse:


An einigen Schulen werden bis zu 24 Prozent des Unterrichts durch
Klassenzusammenlegungen oder Mitbeaufsichtigungen erteilt. Diese
Regulierungsmethode ist insbesondere an Förderschulen und Grundschulen weit
verbreitet.
Die Regulierungsmethode des „selbstbestimmten Lernens“ ist insbesondere an
Gymnasien häufig vertreten. Dort werden an einigen Schulen bis zu 3,5 Prozent
des Unterrichts in freier Arbeit der Schüler „erteilt“.
Bedenklich ist, dass der Unterrichtsausfall sowie die Regulierungsmethoden der
Umorganisation und der Einsatz unzureichend ausgebildeter externer Kräfte (PES)
insbesondere an den Förderschulen am größten sind. An diesen Schulen werden bis
zu 36 Prozent des Unterrichts von diesen Kräften erteilt. Vor dem Hintergrund
der besonderen Anforderungen der Förderpädagogik ist dies ein unhaltbarer
Zustand.
Wenn man den Unterrichtsausfall (temporär und strukturell) insgesamt betrachtet,
fehlen den rheinland-pfälzischen Schülern je nach Schulart zwischen 2,5 und 5
Wochen Unterricht. Durchschnittlich fehlen den rheinland-pfälzischen Schülern
drei ein halb Wochen Unterreicht.

CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz
Info 6/2010 – Bildung - 3. Mai 2010
Datengrundlage:
Die angegebenen Daten beruhen ausschließlich auf dem vom Ministerium bereit
gestellten Datenmaterial, insbesondere auf der Große Anfrage der
CDU-Landtagsfraktion zum temporären Unterrichtsausfall (Drs. 15/4417).

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