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Blutet Hauptschule aus? Antrag auf "Realschule plus" fand keinen Anklang

CDU sieht Schulstandort Westerburg geschwächt Wird die Hauptschule in Westerburg nun doch keine "Realschule plus"? Die Verwirrung ist groß. Erneut wurde jetzt ein Antrag auf den Weg geschickt.

Mit der Einführung der "Realschule plus" in Rheinland-Pfalz sollten in Westerburg die Geschwister-Scholl-Realschule und auch die Rolf-Simon-Schaumburger-Hauptschule zu einer solchen Einrichtung werden - die eine integrativ, die andere kooperativ. Doch wie die zuständige Fachbehörde, die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier, mitteilte, hat ein entsprechender Antrag des Westerburger VG-Rates im Mainzer Bildungsministerium keinen Zuspruch gefunden. Der Verbandsgemeinderat hat jetzt den Antrag ein zweites Mal gestellt. "Die Sache stinkt. Hier wurde politisch Einfluss genommen, um den Schulstandort Westerburg zu schwächen", machte Ralf Seekatz für die CDU-Fraktion im VG-Rat Westerburg deutlich. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion habe sogar die Schulleiterstelle für die "neue Realschule plus" - jetzt noch Hauptschule - ausgeschrieben und mittlerweile wieder  zurückgezogen. Dass die geforderte Schülerzahl von 51 nicht erreicht werde (39 lagen vor), sei auch bekannt gewesen, so Seekatz weiter. Keiner habe eine Realschule mit mehr als 1100 Schülern haben wollen. Die Folge sei nun, dass die Westerburger Hauptschule "ausblute". Zurzeit lägen nur 22 Anmeldungen vor. "Die Eltern schicken ihre Kinder natürlich nicht mehr zur Hauptschule, obwohl diese Kinder später in eine Realschule übergehen werden. Die Eltern sind verunsichert, die Schulleiter sauer und der Schulträger Verbandsgemeinde versteht die Welt nicht mehr", betonte Seekatz. Er wandte sich wegen des Sachverhaltes an Bildungsministerin Doris Ahnen und Wirtschaftsminister Hendrik Hering. Eine Antwort steht noch aus. Nunmehr liegen auch die neuen Anmeldezahlen fürs kommende Schuljahr vor. Für die Realschule wurden 92 neue Schüler gemeldet, für die Hauptschule in Westerburg 22 und für die Höhner Hauptschule 9. "Die Schülerwanderungen in andere Realschulen sind offensichtlich, und das war sicher auch so gewollt", kommentierte Seekatz. Der Skandal liege auf der Hand. Die Fachbehörde ADD werde vom Ministerium übergangen - und zwar völlig unkoordiniert, sonst wäre sicher nicht die Stelle ausgeschrieben worden. Die Interessen vor Ort würden nicht beachtet, das Ausbluten der Hauptschule Westerburg und somit eine Schwächung des Schulstandortes würden bewusst betrieben. "Die Chance, den Schulstandort zu stärken mit einer integrativen und einer kooperativen "Realschule plus" wurde bewusst nicht genutzt", meinte Seekatz abschließend. Auch VG-Bürgermeister Gerhard Loos bedauerte, dass man der Empfehlung der Verbandsgemeinde nicht gefolgt sei. Dies habe gravierende Folgen: "Unsere Schüler werden jetzt in Wallmerod oder Bad Marienberg eingeschult", erklärte Loos. Offenbar bestehen auch unterschiedliche Ansichten, ob der Antrag jetzt neu zu stellen ist. Die ADD teilte der VG-Verwaltung mit , dass es nicht erforderlich sei, für das Schuljahr 2010/2011 erneut einen Antrag zu stellen. Mit Rundschreiben des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur vom 19. Januar werden die Schulträger jedoch gebeten, Anträge auf Errichtung einer "Realschule plus" bis zum 31.Mai 2009 einzureichen. "Hier weiß rechts nicht, was links tut", verdeutlichte Rolf Rüppel (WuB) die Situation. Harald Ulrich (SPD) rief dazu auf, erst einmal die Fakten abzuwarten. Es handele sich keineswegs, wie von Ralf Seekatz dargelegt, um eine politische Entscheidung. Um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen, hat die VG-Verwaltung empfohlen, den Antrag neu zu stellen. Dem kam der VG-Rat jetzt nach.    (wez)   Westerwälder Zeitung vom 06.03.2009, Seite 22

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Die Hauptschule in Westerburg soll nicht "Realschule plus" werden. Ein Antrag des Westerburger VG-Rates hat im Mainzer Bildungsministerium keinen Zuspruch gefunden.  Foto: Wenzel

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